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Rolf Fröhling's Alle Reportagen > Chile 1-5 > Chile 1

Chile 1

 

 

Santiago
- der Präsidentenpalast als Spiegel der wechselvollen Geschichte

 

Seit 1989 ist Chile wieder eine Demokratie. Die Zeiten, in denen bewaffnete Militärposten das Straßenbild beherrschten, sind Gott sei Dank vorbei. Der einstmals strenge Polizeistaat bekennt sich zu seiner neuen Freiheit. Symbol hierfür ist der Präsidentenpalast "La Moneda" in der Hauptstadt Santiago. Früher war er für das gemeine Volk tabu. Heute ist zumindest der Innenhof für jedermann zugänglich. Und auf Voranmeldung gibt es auch Führungen durch den Palast.
In der Moneda residierten schon Präsidenten der unterschiedlichsten politischen Couleur. Doch zumindest vor seinen Toren hat immer das Militär den Ton angegeben:

 

Santiago de Chile: Präsidentenpalast La Moneda
Hat Licht und Schatten erlebt: Präsidentenpalast "La Moneda" in Santiago

Reportage (produziert für Radio hr3, 2004, nicht gesendet):

 

Aufnahme anhören

(komplette Reportage als Sound-Datei)

 

(Musik: Militärkapelle)

 

Santiago de Chile: Wachwechsel vor dem Präsidentenpalast La Moneda
Militär gibt den Ton an: Wachwechsel vor der Moneda

 

Ganz schön zackig geht es zu, wenn zweimal pro Woche der Wachwechsel zelebriert wird - fast wie bei den alten Preußen. Hunderte von Schaulustigen wollen das Spektakel vor dem Präsidentenpalast sehen. Die Zeremonie wurde schon 1929 eingeführt und ist kein Relikt aus den Zeiten der Militärjunta, erklärt Moneda-Führer Fernando Bezares-Gonzalez:

(O-Ton Fernando Bezares-Gonzalez:)
"La naturaleza politica del gobierno...
Die Politik der Regierung hat nichts mit diesem Wachwechsel zu tun. Der Präsident kann extrem rechts sein oder extrem links, aber der Wachwechsel wird immer nach dem gleichen Muster vollzogen. Das Wichtigste ist, dass der Präsident demokratisch gewählt wird. Denn in Chile ist das Volk der Souverän. Aber der Wachwechsel ist völlig unabhängig von der politischen Richtung der aktuellen Regierung.
...en un momento determinado."

 

Santiago de Chile: Moneda-Führer Fernando Bezares Gonzalez mit Besuchern vor dem Gemälde des Konquistadors Don Pedro de Validvia
Gruppenbild vor Konquistador: Moneda-Führer mit Wachmann und Besuchern vor dem Gemälde von Don Pedro de Valdivia

 

Demokratisch gewählt wurde seinerzeit auch der Sozialist Salvador Allende. Doch genützt hat es ihm nichts, als die Luftwaffe am 11. September 1973 seinen Amtssitz bombardierte. General Pinochet, der von ihm selbst ernannte Chef der Streitkräfte, hatte den Befehl erteilt. Als Allende von dem Militärputsch erfuhr, soll er sich das Leben genommen haben. An dem Verdacht seiner Anhänger, der Präsident sei ermordet worden, sei nichts dran, versichert der Moneda-Führer:

(O-Ton Fernando Bezares-Gonzalez:)
"Entonces recide un ultimatum...
Ihm wurde ein Ultimatum gestellt, er müsse bis 11 Uhr 30 vormittags den Palast verlassen. Das Militär stellte ihm ein Flugzeug zur Verfügung für mehr als 100 Passagiere und er könne die Personen auswählen. Wenn nicht, würde der Palast bombardiert. Das lehnte Allende ab. Und hier in diesem Raum hat er die persönliche und tragische Entscheidung getroffen zu bleiben. Vorher hatte er mehrfach angekündigt, dass er im Falle eines Staatsstreichs Selbstmord begehen würde. Er hat sich mit einer Pistole in die Stirn geschossen. Das haben drei Ärzte bestätigt, die dabei waren.
...tres medicos que estaban con el."

 

Santiago de Chile: Denkmal des gestürzten Präsidenten Salvador Allende Gossens
Als Denkmal wieder aufgerichtet: gestürzter Präsident Allende

 

An Präsident Allende erinnert heute ein überlebensgroßes Denkmal vor der Moneda. Es steht in einer Reihe mit Statuen anderer bedeutender Staatsoberhäupter des Landes. Dem Putschisten und späteren Diktator Augusto Pinochet dagegen hat man kein Denkmal gesetzt. Das sei auch nicht nötig gewesen, meint Señor Bezares-Gonzalez. Der General habe praktisch selbst dafür gesorgt.

(O-Ton Fernando Bezares-Gonzalez:)
"El general Pinochet es l'unico...
Die einzige Würdigung, die sich General Pinochet erlaubt hat, ist es, die Straße, die den Süden mit Patagonien verbindet, 'Carretera Austral del General Pinochet' zu nennen. Weil er die Idee dazu hatte, sie in die Tat umsetzte und das Geld dazu bereit stellte. Dieses Bauprojekt ist vielleicht das wichtigste, was die Regierung von General Pinochet verwirklicht hat - und das zum Wohle des Volkes.
...de beneficio para el país."

Diese Argumentation zeigt deutlich, dass nicht alle Chilenen die Diktatur ausschließlich in böser Erinnerung haben. Viele sind sogar von der Demokratie enttäuscht, weil sie zwar mehr Freiheit gebracht hat, aber noch nicht den erhofften Wohlstand. Das weiß auch Ricardo Lagos, der aktuelle Hausherr in der Moneda - übrigens wieder ein Sozialist. Zwar bekennt sich die militärische Führung mittlerweile offen zur Demokratie. Trotzdem oder gerade deswegen wird der Präsident an den militärischen Traditionen seines Landes nicht rütteln.

(Musik: Militärkapelle)

 



Hinweis:

Auch Ricardo Lagos ist nicht mehr Präsident von Chile. Im Dezember 2005 wurde Michelle Bachelet zu seiner Nachfolgerin gewählt.

 

 


Hier geht's zum Nationalpark Torres des Paine und der Reportage Chile 2.

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