Israel 5
Der Wall aus Beton
- massive Vorkehrungen gegen Terror
"Ist das nicht viel zu gefährlich?" – Wer in Israel Urlaub machen will, stößt bei seinen Mitmenschen häufig auf sorgenvolle Mienen, wenn nicht gar auf Unverständnis. Die Bilder aus den Nachrichten lassen nichts Gutes erahnen. Raketenangriffe und Bombenattentate scheinen zum israelischen Alltag zu gehören. Doch die Bilder täuschen. Raketenangriffe sind in aller Regel lokal begrenzt, Bombenattentate hat es in den letzten Jahren nicht mehr gegeben. Und das hängt wohl auch mit den strengen Sicherheitskontrollen zusammen, die Touristen oft schon bei der Einreise über sich ergehen lassen müssen. Aber nach Ansicht vieler Israelis auch mit den umstrittenen Grenzmauern und -zäunen, die ab 2003 zwischen jüdisch und palästinensisch besiedelten Gebieten hochgezogen wurden.

- Welcome to the ghetto: Grenzmauer gegen Terror im Osten von Jerusalem
Reportage (Radio hr4, 06.09.2008):
Die Mauer ist acht Meter hoch, aus grauem Beton und mit Graffiti beschmiert. Sie trennt u.a. das israelisch kontrollierte Jerusalem vom palästinensisch kontrollierten Bethlehem. Vor allem bei den Berlinern in unserer Reisegruppe kommen unangenehme Erinnerungen hoch. Aber auch der Politikwissenschaftler Ron Shatzberg von der Hebräischen Universität in Jerusalem ist kein Freund der Mauer.
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(O-Ton Ron Shatzberg:) "The average Israeli will tell you...no terrorist attacks in Israel." |
Der Durchschnitts-Israeli wird Ihnen sagen, dass die Mauer und der Grenzzaun uns Sicherheit gaben und in den letzten drei Jahren vor Anschlägen geschützt haben. Aber ich sage Ihnen, es gibt auch andere Gründe, nicht nur die Mauer - interne palästinensische Gründe und die bessere technische Ausstattung unserer Sicherheitskräfte - die dazu geführt haben, dass wir keine Terroranschläge mehr hatten in Israel.

- Trauma von 2002: Terroranschlag an der Hebräischen Universität
Über die Gründe wird gestritten, aber fest steht: Während der so genannten Zweiten Intifada, kamen mehr als 900 Israelis bei Anschlägen ums Leben. Eines dieser Selbstmordattentate wurde 2002 in der Cafeteria der Hebräischen Universität verübt. Die Bilanz: neun Tote und mehr als 80 Verletzte. Aber die Studenten haben gelernt mit der Gefahr zu leben.

- Studenten haben Anschlag verdrängt: Tatort Cafeteria
(O-Ton Studentin:)
"I feel sad for what happened there but it doesn’t scare me."
Es tut mir Leid, was da passiert ist, sagt sie, aber ich hab’ keine Angst. Und ihre Freundin meint:
(O-Ton-Studentin:)
"There's so many spots like this…
Es gibt so viele Stätten wie diese in Jerusalem. Ich denk’ nicht mehr drüber nach, wenn ich das Restaurant betrete.
…there’s so many of them."

- Folge des Anschlags: Kontrollen am Cafeteria-Eingang
Heute kontrolliert ein Sicherheitsbeamter den Eingang zur Uni-Cafeteria. So wie fast alle öffentlichen Gebäude streng bewacht werden. Auch vor Einkaufszentren stehen häufig Wachmänner, die Personen und Taschen durchsuchen.

- Gelten als terrorgefährdet: Einkaufszentren wie hier in Maale Adumim
(O-Ton Tourist:)
"Daraufhin hab’ ich mal gefragt, warum machen die das hier so, und der sagte, es war so, dass vor zehn Jahren ungefähr in diesem Einkaufszentrum sich ein Palästinenser in die Luft gesprengt hat. Da gab’s wohl etliche Tote und viele Verletzte, und aufgrund dieser Tatsache ist man natürlich sehr vorsichtig geworden."

- Ebenfalls "terrorgefährdet": Bushaltestellen wie hier in Jerusalem
Deshalb werden Touristen davor gewarnt, sich an öffentlichen Plätzen mit vielen Menschen aufzuhalten. Auch Bushaltestellen gelten als gefährdete Zonen. Das Auswärtige Amt rät zudem vor dem Besuch der Palästinensergebiete ab, ausgenommen Bethlehem und Jericho. Doch Suleiman Abu Dayyeh, Leiter der Palästina-Abteilung bei der Friedrich-Naumann-Stiftung, hält das für übertrieben.

- Keine Bange vor der Westbank: Straßenszene in Ramallah
(O-Ton Suleiman Abu Dayyeh:)
"Gaza würde ich beispielsweise auf jeden Fall meiden. Aber generell ist es besser geworden, weil die palästinensischen Sicherheitskräfte die Sicherheit in vielen Regionen jetzt viel besser unter Kontrolle haben, und das Chaos der Waffen in den Händen von Menschen ist sehr stark eingeschränkt worden, sodass die Sicherheitslage viel besser geworden ist."
Die absolute Sicherheit, darin sind sich alle einig, kann es nicht geben. Auch Torsten Reibold, der seit fünf Jahren in Israel lebt, ist einmal nur mit Glück einem Anschlag entgangen - er steckte im Stau fest und kam erst später als geplant am Tatort an. Trotzdem würde er jedem empfehlen, dieses faszinierende Land zu besuchen.

- Nicht automatisch Gefahr für Leib und Leben: Wachmann vor Hotel in Jerusalem
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Video:
Hoch soll er leben - Studenten der palästinensischen Universität Bir Zeit im Westjordanland feiern das Examen eines Kommilitonen


