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Rolf Fröhling's Alle Reportagen > Liechtenstein 1-4 > Liechtenstein 2

Liechtenstein 2

 

 

Und was machen Sie am Nachmittag?
- in zwei Stunden durchs ganze Fürstentum

 

"Wenn uns Besucher sagen, sie wollen sich Israel ansehen, dann fragen wir automatisch: Und was machen Sie am Nachmittag?" Ephraim Kishons satirische Anspielung auf die geringe Größe seines Landes würde zu Liechtenstein noch viel besser passen. Für Gruppen werden sogar Rundfahrten durchs Fürstentum angeboten, die gerade mal zwei Stunden dauern. Das klingt rekordverdächtig! Natürlich erhält man dabei nur einen groben Überblick, für Besichtigungen bleibt kaum Zeit. Dennoch lernt man alle 11 Gemeinden Liechtensteins kennen, Oberland und Unterland, Rheintal und Hochgebirge. Und man genießt wunderbare Ausblicke. Die Rundfahrt macht Appetit auf mehr. So beantwortet sich die Frage "Was machen wir am Nachmittag?" spätestens unterwegs ganz von alleine.

 

Liechtenstein: Touristenführerin Anni Beck weist den Blick vom Ort Planken auf das Unterland
Wunderbare Ausblicke: Panorama im kleinsten Dorf Planken

Reportage (Radio hr4, 14.10.2006; hr-iNFO, 28.10.2006):

 

Die Liechtensteiner lieben ihr kleines Land. Mögen andere Nationen ruhig stolz auf ihre Größe sein. So sind es die Bewohner des Fürstentums eben auf ihre Kleinheit. Und das trifft auch auf Anni Beck zu, die Tourbegleiterin auf der zweistündigen Rundfahrt:

 

Liechtenstein: Landeswappen an der Fassade des Regierungsgebäudes in Vaduz
Klein, aber stolz: Landeswappen am Regierungsgebäude in Vaduz

 

Aufnahme anhören

(O-Ton Anni Beck:) "Man kennt sehr viele Leute. Man ist familiär verbunden mit den anderen auch in einer anderen Gemeinde oder in einem anderen Dorf. Und die Kleinheit, dass es so überschaubar ist, das ist schon ganz was Besonderes für die Liechtensteiner. Also, wir hatten nie das Gefühl gehabt, wir sollten 100 Quadratkilometer mehr haben."

 

Liechtenstein: Gästeführerin Anni Beck vor dem Pfarrhaus von Bendern
Steuert die kleinen Dinge an: Anni Beck auf dem Huldigungsplatz in Bendern

 

Und selbst dann wäre Liechtenstein immer noch ein Kleinstaat. Man ist bescheiden im kleinen Fürstentum. Große Sehenswürdigkeiten wie Eiffelturm und Grand Canyon sucht man hier vergebens. Deshalb steuert Anni Beck auf der Rundfahrt eben die kleinen an. Und die haben durchaus auch ihren Reiz. Nach dem Start im Hauptort Vaduz heißt unsere erste Station Planken. Das kleinste Dorf des Landes bietet einen großartigen Ausblick auf das Unterland:

(O-Ton Anni Beck:)
"Wenn Sie jetzt da hinunterschauen, sehen Sie sehr schön zur Landesgrenze Liechtensteins. Da, wo die dichtere Bewaldung ist, da ist die Staatsgrenze. Dahinter fließt der Rhein. Und die andere Seite, das ist der Kanton St. Gallen, und auf dieser Seite haben wir das Fürstentum Liechtenstein."

Im Dorf Nendeln überqueren wir ein Bahngleis. Eigentlich nichts Besonderes - und doch hat es für die Liechtensteiner eine besondere Bedeutung. Es gibt ihnen die Illusion vom Anschluss an die große weite Welt.

(O-Ton Anni Beck:)
"An das Eisenbahnnetz sind wir dadurch angebunden, dass wir zum Beispiel eine Durchgangsstrecke sind für den Schnellzug Wien-Paris. Dann der berühmte Nostalgiezug, der von London nach Venedig geht, der kommt alle 14 Tage und führt durch Liechtenstein durch. Er hält leider nicht an. Er fährt durch Liechtenstein durch und fährt dann weiter nach Venedig."

 

Liechtenstein: marmorner Altar der Kirche St. Peter und Paul in Mauren
Ganz in Marmor: Kirche St. Peter und Paul in Mauren

 

Im Dorf Mauren besuchen wir die Kirche St. Peter und Paul, die vom einheimischen Künstler Georg Malin ganz in Marmor ausgestaltet wurde. Im Dorf Bendern wandeln wir über den historischen Huldigungsplatz, wo einst Fürst und Bürger ihren Eid auf die Verfassung ablegten. Dann nimmt Anni Beck Kurs auf das Oberland. Dort, verspricht sie, wartet der eigentliche Höhepunkt der Tour auf uns.

 

Liechtenstein: Blick von Triesenberg auf Rheintal und Schweizer Alpen
Aussicht auf das Rheintal: Liechtensteins wohl schönstes Dorf Triesenberg

 

(O-Ton Anni Beck:)
"Ich komme von Triesenberg, und deshalb ist für mich Triesenberg der schönste Ort. Vor allem ist es ein wunderschöner Aussichtspunkt. Es liegt zwischen 800 und 1600 Meter. Sie haben das ganze Rheintal vor sich. Es ist natürlich auch nicht so viel Durchzugsverkehr, wie man unten im Rheintal hat, im Unterland und auch im Oberland. Und deshalb gefällt mir der Triesenberg als Dorf am besten."

Über Serpentinen geht es hinauf bis in den höchsten Ortsteil von Triesenberg, nach Malbun. Es ist DAS Feriendorf schlechthin im Fürstentum. Mit seinem reichhaltigen Freizeitangebot lockt es viele Urlaubsgäste. Sommers wie winters:

(O-Ton Anni Beck:)
"Man kann also Ski fahren, snowboarden, man kann Eis laufen. Also, man hat alle Möglichkeiten hier oben. Und im Sommer ist es ein wunderschönes Wandergebiet."

 

Liechtenstein: Hotel Malbun im einzigen Skiort des Alpen-Fürstentums
Kein Kitzbühel oder St. Moritz: Malbun, Liechtensteins Ferienort No. 1

 

Natürlich darf man auch in Malbun kein Kitzbühel oder St. Moritz erwarten. In Liechtenstein ist alles ein paar Nummern kleiner als anderswo. Aber gerade das macht den besonderen Charme aus. Und deshalb können seine Bewohner mit Recht ein bisschen stolz sein auf ihren Kleinstaat.

 

 

 


Hier geht's weiter zu Goethe in Vaduz und der Reportage Liechtenstein 3.

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